Teppichknüpfen auf Madeira

Leuchtende Farbpunkte in blau, gelb und rot, tausende kleine Punkte, wie mit dem Pinsel gehaucht, zeigen Landschaften, Blumen oder Gesichter - sind gestickte Bilder.

Am Anfang war es nur eine kunstgewerbliche Tradition. Mit unendlicher Geduld oder mit vielen, vielen Stickern entstanden Gobelins auf Madeira...

Doch durch das Engagement der deutschen Familie Kiekeben veränderte sich diese folkloristische Tradition zum erfolgreichen Handwerk.

Max Kiekeben baute 1938 ein Gobelin-Atelier auf der Basis seiner Stickereimanufaktur auf. Sein Sohn Herbert übernahm die Leitung des Ateliers und führte es mit großem künstlerischen Geschick und handwerklichem Können.

Die Teppiche waren bald begehrt und das Atelier wuchs - an Bekanntheit und an wirtschaftlicher Größe.

Das Atelier Kiekeben wurde ein für Madeira wichtiger Arbeitgeber und nahm einen auch im wirtschaftlichen Leben der Insel bedeutenden Platz ein.

Wie entsteht ein Gobelin?

Der Gobelin ist ein "in Wolle" gemaltes Bild. Der Sticker ist der Maler, der sein Bild nicht mit dem Pinsel malt, er stickt es. Wie ein impressionistischer Maler setzt er Farbpunkt neben Farbpunkt.

Ebenso wie ein Maler, verändert er die Stick-Technik, um den gewünschten Ausdruck zu erzielen.

Da er nicht nach Vorlage arbeitet, ist der Entstehungsprozess dem eines gemalten Bildes ähnlich, es wird verändert, vielleicht wieder aufgelöst, korrigiert und neu erarbeitet, bis das "Woll-Gemälde" vollendet ist.

Die Wolle kommt häufig von weit her. Sie muss bearbeitet, gefärbt und behandelt werden, damit sie in voller Leuchtkraft Zeit - und Motten - übersteht.

Oft werden die Auftragsarbeiten von Frauen in Heimarbeit hergestellt, sie kopieren alte Motive und reproduzieren - ausgebildet wurden sie hierfür im Atelier.

Das Atelier erhält dann den fertig gestellten Gobelin zurück, prüft ihn - und bei Bestehen der Sorgfalts-Kontrolle wird er abschließend behandelt..

Dies sind die Voraussetzungen für die Qualitätsauszeichnung, die das Institut für Stickerei und Kunsthandwerk Madeira, verleiht. Nur Teppiche oder Stoffe, die diese Kontrolle passiert haben, erhalten das begehrte Siegel.

Die Gobelinstoffe werden heute vielfältig verwendet. Bei Taschen, als Polsterbezüge, als Bilder, Kissen oder auch Tapeten - so werden die überaus robusten Handarbeiten von Generation zu Generation vererbt - und so wird ein traditionelles Kunsthandwerk auf Madeira erhalten.

                                                   

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